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Impuls von Sr. Astrid Meinert SAC zum Abschied von Kloster Marienborn

Bildquelle: Pall_LM

Die Entscheidung, dass das Mutterhaus uns das Exerzitienhaus nicht von uns selbst renoviert werden können und daher ein Verkauf unerlässlich ist, liegt schon länger zurück. Heute wird es konkret – wir Pallottinerinnen übergeben in Kürze die Mauern, in denen wir alle unsere ersten Schritte in die Gemeinschaft machten, an einen neuen Besitzer.

 

Als wir im Rat den Tag vorbereitet haben, suchten wir nach einem Schrifttext, der zum heutigen Anlass und zu unserer pallottinischen Spiritualität passt. Schnell merkten wir, dass das Evangelium des morgigen Sonntags (Fest der Heiligen Familie) genau auf unsere Situation trifft und uns auch direkt auf einen Grundpfeiler von Pallottis Empfehlungen verweist.

 

Zuerst zum Text aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 2, Verse13-15.19-23):

 

Gott wurde Mensch im Stall von Bethlehem – unser erstgeborener Bruder Jesus wurde durch das JA von Maria und das JA von Josef Realität. Die Hirten und die Könige – einfache Männer und Gelehrte, die aus fernen Gegenden kamen, waren die ersten, die dieses Geheimnis von Weihnachten im Herzen begriffen.

 

Nicht alle Menschen aber, hörten in ihr Herz hinein. Schon gleich nach dem Erscheinen des Gotteskindes wird Josef im Traum ein neuer Auftrag Gottes offenbart. In Bethlehem ist die Familie nicht sicher. Josef nimmt das Kind und Maria und sie folgen der Weisung Gottes und gehen nach Ägypten. Und nach einer Zeit erfolgt dort wieder das Zeichen zum Aufbruch – und schließlich lassen sich Maria, Josef und ihr Sohn in Nazareth nieder.

 

Wir wissen wenig aus Jesu Kindheit und Jugend. Aber der Heilige Vinzenz Pallotti weist darauf hin, dass Jesus in seiner Familie zum Messias für alle Welt heranwuchs. Und Pallotti empfahl seiner Vereinigung: „Wir müssen auf Jesus, Maria und Josef schauen und sie, die kleine Familie des Hauses zu Nazareth, … als das Vorbild der ganzen Familie ansehen, die unsere geringe Genossenschaft insgesamt wie auch jede einzelne Hausgemeinschaft in unseren heiligen Heimen bildet.“

 

Es ergeben sich für uns nun zwei wichtige Gedanken.

 

Wir müssen hören auf Gott, der immer wieder zum Aufbruch ruft. Selbst Jesus ist von Beginn an kein Ort gegeben, an dem er für immer sicher bleiben soll. Auch wir sind zu einem Schritt des Loslassens gerufen. Aber wir dürfen Kraft darin finden, dass wir den Ort unserer Anfänge nicht ganz verlassen, denn Marienborn bleibt unsere Heimat.

 

Krippenszene, Kloster Marienborn, 2018
Bildquelle: Pall_LM

Und dort, wo wir sind, sollen wir auf das Haus von Nazareth schauen. Was bedeutet das? Es wäre falsch, wenn wir ein überhöhtes Familienbild als Richtschnur für unser Zusammenleben nähmen. Im Haus von Nazareth wurde Glaube erfahrbar. Wo auch sonst? Schließlich gibt es kaum zwei Menschen, die Gottes Eingreifen in ihr Leben so direkt gespürt haben wie Maria und Josef.

 

Maria hat ganz und gar auf Gott vertraut und JA gesagt zu Gottes Plan. Dass sie nicht naiv war, ist in der Schrift bezeugt, denn sie stellt dem Engel die Frage, wie es geschehen solle. Sie ist eine Frau ihrer Zeit und weiß, was ihre Bereitschaft, die Magd des Herrn sein zu wollen, bedeutet.

 

Josef ist rechtschaffen. Er hätte Maria verstoßen können oder sie sogar steinigen lassen. Aber er will sie frei geben. Und dann erfährt auch er vom Heilsplan Gottes und willigt ein.

 

Diese beiden prägen das Haus von Nazareth mit ihrem Sohn, der auch nicht immer das tut, was von ihm vordergründig erwartet wird. Als er im Tempel in Jerusalem bleibt, versetzt er seine Eltern in Aufruhr. Aber Jesu Grund für seinen Ungehorsam war wesentlich: Er blieb im Tempel wegen seiner Verbundenheit mit Gott.

 

Das Haus von Nazareth – wie ist es denn nun ein Vorbild für uns?

Bildquelle: Pall_LM

 

In unseren Häusern sollen wir uns gegenseitig helfen, den Glauben lebendig zu halten. Wir sollen miteinander auf die Fingerzeige Gottes in unserem eigenen Leben und im Leben der Gemeinschaft hören. Wir sollen verankert sein in Gott und miteinander schweigen und lachen und auch streiten, denn auch das gehört dazu und dann die Versöhnung suchen.

 

Eine Garantie, dass alles bleibt, wie es immer war, gibt Gott zu keiner Zeit in der Geschichte. Im Gegenteil. Wir befinden uns in guter Gesellschaft, wenn wir in Neues aufbrechen.

 

Und ist das nicht ein wesentlicher Teil unserer Identität als Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat? Unser Mutterhaus wurde gebaut, um Schwestern auf die Mission in Kamerun vorzubereiten. Das Bild zeigt Schwestern, die 1952 nach Afrika aufgebrochen sind.

 

Immer war der Blick auf das Ziel gerichtet, Schwestern dorthin zu senden, wo sie gebraucht wurden. Und die Vielzahl an Filialen in Deutschland, die es im Laufe der Jahre gab, künden davon. Ob in der Krankenpflege, in Kindergärten, in Sozialstationen, in Pfarreien und in der Mission in anderen Ländern – stets wurde auf einen Bedarf reagiert.

 

In den vergangenen Wochen haben wir unsere Mission heute bedacht und Antwort auf die Frage gegeben, was in unserer jetzigen Situation unser Apostolat, unsere je eigene Sendung ist. Die Antworten zeigen, dass wir ganz individuelle Schwerpunkte in unserem Apostolat haben.

 

Viele haben das Gebet als besonderes Apostolat benannt und Ihren Antworten kann man entnehmen, dass in unser Gebet die ganze Welt, unsere Kirche, unsere Gesellschaft, unsere Gemeinschaft, die Menschen denen wir täglich begegnen, unsere Familien, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch unsere Bauarbeiter eingeschlossen sind. Das ist Mission! Die Welt vor Gott tragen.

 

Bildquelle: Pall_LM

In einem Koffer haben wir all die individuellen Missionszeugnisse gesammelt. Hier ist greifbar, was unser Apostolat 2019 umfasst. Und diesen reichen Schatz tragen wir mit uns, egal wo wir sind.

 

Ich bin diejenige, die bis jetzt als letzte in die Gemeinschaft eingetreten ist. Aber auch ich habe viele Verbindungen zu den Gebäuden, die wir bald ganz verlassen. Und es mag sich seltsam anhören, aber für mich ist es in der letzten Zeit oft ganz wichtig gewesen, dass wir zwar leider die Häuser an einen neuen Besitzer übergeben, aber hier in Limburg am Ort bleiben.

 

Und mir ist unser Friedhof wichtig, der in unserem Besitz bleibt. Sehr viele Namen sind für mich nicht mit Gesichtern verbunden – doch auch schon viele verstorbene Schwestern habe ich noch kennenlernen dürfen. Beeindruckende Biographien habe ich gehört – teilweise aus Erzählungen und teilweise aus Gesprächen. Nicht ohne Grund habe ich bei der Suche auf einem geistlichen Zuhause meinen Ort bei den Pallottinerinnen gefunden.

 

In Vorbereitung auf den Tag haben wir die Namen all derjenigen aufgeschrieben, die seit 1895 bei uns eingetreten sind. Es waren zu viele Seiten, die wir nicht alle aushängen konnten. So haben wir eine Auswahl getroffen: die Namen der ersten Pallottinerinnen in Deutschland, dann einige Namen aus den vielen folgenden Jahren und am Ende alle Namen von uns heute. Hinter jedem Namen steht eine individuelle Berufungsgeschichte und ein individuelles apostolisches Wirken als Pallottinerin. Wir stehen in einer langen Reihe und stützen uns auf ein festes Fundament.

 

Und bei aller Wehmut, die sicherlich heute auch in uns aufsteigt, ist genau dies doch ein Grund, aus tiefstem Herzen dankbar zu sein. Wir stehen in einer starken Reihe von mutigen Frauen. Viele von uns haben bei ihrer Profess noch gelobt, dorthin zu gehen, wohin immer sie gesandt werden. Bereitschaft zum Aufbruch, Bereitschaft zum Einsatz dort, wo es Not gibt, war es, was hinter diesem Versprechen stand.

 

So wollen wir heute als Gemeinschaft einen neuen Aufbruch machen. Wir nehmen unsere Geschichte mit – in den Lebenszeugnissen der Schwestern, die vor uns waren, in vielen Möbeln und Gegenständen, in den Chroniken und Fotoalben und in unseren Erinnerungen.

 

Und nehmen wir in unser tägliches Beten auch immer die Bitte mit hinein, dass wir auch in Deutschland Frauen begeistern können, als Pallottinerin in Kirche und Welt Zeugnis von Gottes unendlicher Liebe zu geben.

 

Unser Weg geht weiter. Geben wir das Mutterhaus und das Exerzitienhaus in neue Hände. Das Alte bleibt kostbar und geschätzt, das Neue mit Vertrauen auf Gott gewagt. Er ist es, der uns schuf, berief, begleitet und schützt. Und vertrauen wir auf die Fürsprache all unserer verstorbenen Mitschwestern. Gott wird alles fügen.

 

Maria, Königin der Apostel – bitte für uns.

Heiliger Vinzenz Pallotti – bitte für uns.