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Zum Gedenken an Sr. Ann Hovens SAC

Bildquelle: Pall_LM

Sr. Ann (Johanna Agnes Hubertina) Hovens gab am Freitag, den 5. April 2019, nach schwerer Krankheit - und bis fast zuletzt bei klarem Bewusstsein – ihr Leben in Gottes Hand zurück.

 

Sr. Ann wurde als achtes Kind von 11 Geschwistern am 2. Februar 1929 in Tegelen, Niederlande, geboren und schon einen Tag später auf den Namen Johanna Agnes Hubertina getauft, als Tochter des Ziegeleibesitzers Herman Hubertus Hovens und seiner Ehefrau Sophia geb. Cruysberg.

 

Als Fünfjährige wechselte sie im März 1934 mit ihren Eltern und Geschwistern den Wohnort nach Breyell am Niederrhein.

 

Von 1935-1943 besuchte sie die Volksschule. Danach war bedingt durch die Kriegsverhältnisse kein weiterer Schulbesuch möglich. So arbeitete Anny im elterlichen Haushalt oder half bei Verwandten in Venlo.

Wo sie gebraucht wurde, konnte sie helfen. Neben allen hauswirtschaftlichen Arbeiten war sie auch geschickt und geübt im handwerklichen Gestalten. Oft erzählte sie mit Genugtuung: bei ihrer Mutter im Haushalt durfte sie alles tun, ob kochen, backen, einkochen, nähen, sticken, stricken, ob die jüngeren Geschwister versorgen oder bei Schularbeiten helfen, ob im Garten pflanzen und ernten, gestalten und zimmern, bauen und planen. Und wenn mal etwas schief ging, wurde sie gleich ermutigt, wieder neu anzufangen. Anny hat sich im Leben viel zugetraut und auch zu Ende gebracht.

 

Bevor sie 1957 bei den Missionspallottinerinnen eintrat, schrieb der damalige Pfarrer von Breyell ihr ein Zeugnis für Limburg:

"Frl. Anni Hovens entstammt einer echt christlichen Familie. Die Eltern sind nicht nur Sonntags an der Kommunionbank. Der Vater, als Ziegeleibesitzer mit Arbeit überhäuft, kommt auch an Werktagen, trotz des weiten Weges, zur Heiligen Messe. Die 11 Kinder haben den guten Geist geerbt. Die Mädchen sind im kirchlichen Leben aktiv, immer zu haben. Die Schwester von Anni ist Gruppenleiterin und putzt Kirche. Anni selber war lange im Paramentenverein tätig.

Was die Berufung von Anni angeht, so glaube ich sagen zu dürfen, dass man die Bitte um Aufnahme erfüllen sollte."

 

So wurde Anny am 20.7.1957 als Postulantin aufgenommen und am 15.8.1958 erhielt sie bei der Einkleidung den Namen Sr. M. Padua.

Die erste Profess war am 15.8.1960 in Limburg und die ewige Profess am 15.8.1966 in Limburg.

 

In den ersten Ordensjahren war Sr. Padua immer in Küche und Haushalt eingesetzt - in Limburg, Waldböckelheim und Rheinberg.

 

Nach ihrer Ausbildung zur staatlich geprüften Heimerzieherin in Köln Lindenthal war sie in Neunkirchen in dieser Funktion engagiert.

 

Nach dem II. Vat. Konzil gab es in den Ordensgemeinschaften die Möglichkeit, wieder zum Taufnamen zu wechseln.

Sr. Ann wurde als Heimerzieherin 1970 bis 1976 in Rheinbach eingesetzt. Eine kostbare Zeit für sie, mit einer lieb gewordenen Aufgabe.

 

Nach einem Sabbatjahr in München beim VOD-Seminar bekam Sr. Ann eine neue Anstellung und Sendung im Bistum Limburg als Gefängnis-Seelsorgerin, zuerst 18 Jahre in der Jugend-JVA in Wiesbaden und ab 1986 bis zu ihrem 70. Geburtstag 1999 in der JVA (Justizvollzugsanstalt) Limburg mit Untersuchungshaft und Kurzzeitstrafen.

Diese 31 Jahre als JVA-Seelsorgerin war für Sr. Ann eine große Lebensschule, welche sie tief beglückte und erfahren ließ, wie kostbar Freiheit ist – im Empfangen und Geben.

 

Daneben brachte sie sich im Provinzhaus in verschiedenen Aufgaben ein: sie war engagiert in der Organisation und Vorbereitung der über die Stadt Limburg hinaus weit bekannten Basare, übernahm dann auch die Regie und Mitarbeit im Klostergarten Marienborn. Sie sorgte für den Kapellenschmuck und für die Blumen im Refektor.

 

Sr. Ann sagte von sich selbst: "Überall, wo Hilfe notwendig ist, arbeite ich gerne – allerdings am liebsten als Pionier oder alleine".

 

Licht und Schatten im Leben eines Menschen.

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Wo Schatten ist, ist auch viel Licht.

Das kostbare daran war, dass Sr. Ann gut um diese ihre Eigenschaften wusste, sie kannte, sich daran freute und auch darunter gelitten hat.

 

Ein Wort aus dem Buch Micha (6,1-8) war ihr seit vielen Jahren weisend:

"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut (für Dich) ist."

"Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was Jahwe von dir fordert:

Nichts anderes als recht tun und aufmerksam gehen mit deinem Gott."

 

Sr. Ann war zu dieser ihrer Zeit keine Ordensfrau im üblichen spirituellen und ritualisierten Gleichschritt. Doch sie schaffte es, ihr Altern, ihre Krankheit anzunehmen, gewiss mit Zweifeln und Fragen, mit Nöten und Ängsten, in Tränen und Einsamkeit, aber im aufmerksamen Gehen mit Gott …

 

Danke, Sr. Ann, für 59 Jahre mit uns auf dem Weg als Pallottiner