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Zum Gedenken an Sr. Gertrud Czinczoll SAC

Bildquelle: Pall_LM

Am 2. April 2019 verstarb in Refrath nach kurzer schwerer Krankheit Sr. Gertrud, geb. am 21.12.1934 in Rößel / Ostpreußen. In dem von ihr selbst verfassten Lebenslauf heißt es u.a.:

 

Meine Kindheit verlebte ich sehr glücklich und unbeschwert in meiner ostpreußischen Heimat. Es war ein sehr einschneidendes und leidvolles Ereignis für mich und meine Familie, als im Januar 1945 die Rote Armee unsere Kreisstadt Rößel besetzte.

Ich war damals 10 Jahre alt und habe es schon sehr bewusst miterlebt, auch als wir im November desselben Jahres aus der Heimat vertrieben wurden. Mein Vater befand sich in dieser Zeit in russischer Gefangenschaft, von ihm wussten wir damals noch nichts, bis er 1948 heimkam.

Nach der Vertreibung und einigen Monaten des Lagerlebens fanden wir in Nienburg a. d. Weser ein neues Zuhause. Dort besuchte ich noch 4 Jahre die Volksschule. Es war zu dieser Zeit an den Besuch einer weiterführenden Schule nicht zu denken.

 

Nach der Schulentlassung 1950 machte ich ein Hauswirtschaftsjahr im Christinenstift in Gereonsweiler und hatte dort den ersten Kontakt mit den Pallottinerinnen. Durch ihre Vermittlung wurde ich 1951 in die Missionsschule im Kloster Marienborn in Limburg aufgenommen. Ich absolvierte 1952 den Vorschulkurs in der Marienschule in Limburg mit dem Berufswunsch, Erzieherin zu werden.

 

Im Juli 1953 trat ich ins Postulat und später ins Noviziat der Pallottinerinnen ein, und im August 1956 legte ich die erste Profess ab. Im September 1958 erfolgte mein erster Einsatz im neuerrichteten Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg, wo ich von 1959 bis 1962 die Ausbildung zur Krankenschwester machte.

Insgesamt arbeitete ich 16 Jahre in der Krankenpflege, davon die letzten 12 Jahre als Stationsschwester. Ab 1973 besuchte ich die Schwesternhochschule in Köln Hohenlind und wurde 1974 im Kreiskrankenhaus in Erlenbach als Pflegedienstleitung eingesetzt. Diese Aufgabe nahm ich 12 Jahre wahr.

 

Ich wurde 1986 von der Provinzleitung in das St. Josefshaus in Refrath abberufen, um dort nach der Erweiterung des Hauses die Heimleitung zu übernehmen. Nach 17 Jahren in dieser Aufgabe konnte ich sie in jüngere Hände geben. Es dauerte nicht lange, bis ich im Februar 2003 zur Konventsoberin der Refrather Schwestern eingesetzt wurde. 12 Jahre verblieb ich in diesem Amt und war während dieser Zeit auch Mitglied der Provinzleitung von 2007-2013.

 

Sr. Gertrud war eine intelligente, liebevolle, vornehme, freundliche und höfliche Persönlichkeit.

Mitschwestern beschrieben sie als nicht aufdringlich, lieber in der zweiten Reihe stehend, konfliktscheu und bei Entscheidungen eher zögerlich. Gewiss hatte sie auch noch geheime Schattenseiten, aber die Geduld und Güte, die sie ausstrahlte – sich selbst und anderen gegenüber – wog alles auf.

Als sie im Februar die Diagnose erhielt, wusste sie sofort, dass ihr nur noch wenig Lebenszeit blieb und sie hat sich kurze Zeit nach dem "Schock" damit abgefunden und aus dem Glauben heraus vertrauend den Willen Gottes angenommen.

Zwei Tage vor ihrem Tod genoss sie das mitgebrachte Eis und versprach beim anschließenden dichten Gespräch, beim Herrgott die Sorgen der Gemeinschaft vorzutragen, damit Er uns spürbar beistehe …

 

Gütig wie sie war, ist Sr. Gertrud leise, ohne Aufhebens, bereitet und bereit heimgegangen zum Vater, dem sie sich am Ende bewusst immer wieder anvertraute und fast ruhig und gelassen hauchte sie in den frühen Morgenstunden des 2. April 2019 ihr Leben aus.

 

Sicherlich erfüllt sich nun an ihr das Schriftwort, das sie über ihr Leben stellte:

"Unsere Heimat ist im Himmel, von dorther erwarten wir Jesus Christus, unseren Herrn" (Phil 3,