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Heimgang von Sr. M. Vincenta Kopowski SAC

Bildquelle: Pall_LM

"Die Liebe zu Jesus sei deine einzige Leidenschaft."

 

Handschriftliche Notiz auf einem Gebetszettel

am Tag der ersten Profess am 15. August 1955

 

 

 

Gott rief am späten Vormittag des 25. Dezember 2020 unsere Sr. M. Vincenta Kopowski zu sich.

 

Am 4. September 1931 wurde Irene Maria als zweites Kind des Kaufmanns Walter Kopowski und seiner Ehefrau Helene, geb. Neumann, in Heiligenthal in Ostpreußen geboren.

Die sorglose und frohe Kindheit endete für die zehnjährige Irene Maria und ihren vier Jahre älteren Bruder Herbert jäh, als ihr Vater in der Weihnachtsoktav 1941 plötzlich an einem Herzschlag verstarb.

 

Im Januar 1945 mussten Irene Maria und ihre Mutter ihre Heimat verlassen. Dieser Schritt war umso schwerer, da Herbert im Krieg war und als vermisst galt.

Ein erster Ort auf der Flucht war Braunlage im Harz, wo Irene Maria auch die Schule abschloss. Im April 1946 zogen Irene Maria und ihre Mutter dann nach Olpe in Westfalen.

 

Dort absolvierte Irene Maria eine Lehre, die sie als Kaufmannsgehilfin erfolgreich abschloss. Während ihrer anschließenden dreijährigen Tätigkeit in der Firma, in der sie ausgebildet worden war, reifte in ihr der Entschluss, Ordensfrau zu werden.

 

Auf die Frage, warum sie in den Missionsdienst treten wolle, schrieb sie, es sei ihr Wunsch, "durch Gebet und Opfer an der Rettung der Seelen mitzuwirken".

 

Am 22. Juli 1952 trat sie in die Gemeinschaft der Pallottinerinnen ein und am 15. August 1953 wurde sie eingekleidet und erhielt den Namen Sr. Vincenta. Dieser Name war ihr kostbar und sie war sehr an Vinzenz Pallotti interessiert. In ihren Stunden- und Gebetbüchern fanden sich zahlreiche Abbildungen unseres Gründers mit Gedanken und Gebeten.

 

Nach ihrer Profess war sie zuerst an verschiedenen Orten tätig und begann im April 1960 die Ausbildung zur Krankenschwester am Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg, die sie im Februar 1962 erfolgreich abschloss. Bis 1974 war Sr. Vincenta dort als Krankenschwester eingesetzt.

 

Die nächsten sechs Jahre war Sr. Vincenta Hausoberin im Pallotti Haus in Olpe. Nach einem einjährigen theologischen Ausbildungsseminar für Ordensfrauen in München wirkte sie an der Pforte im Mutterhaus in Limburg.

 

Ende 1986 kehrte sie noch einmal für vier Jahre als Hausoberin nach Olpe zurück. Seit 1990 lebte sie in Limburg, wo sie bis 2002 Leiterin der Hauswirtschaft war. Danach übernahm sie die Aufgabe der Hausassistentin und stellvertretenden Oberin der Kommunität, arbeitete stundenweise an der Pforte und in der Hauswirtschaft mit, bis sie 2012 ins Haus Felizitas zog.

 

Es folgte eine sehr schwere Krankheitsphase für Sr. Vincenta und trotz vieler medizinischer Eingriffe und Bemühungen musste ihr rechtes Bein amputiert werden.

Man konnte Sr. Vincenta die starken Schmerzen ansehen, die sie vor und nach der Amputation erleiden musste. Aber sie hat niemals geklagt. Mit bewundernswert großer Disziplin gelang es ihr, wieder selbstständig zu werden und man traf sie häufig in der Kapelle oder im Gebetsraum an. Sie lebte das, was sie 1952 als Motivation für ihre Berufung benannte – im Gebet trug sie ihr eigenes und das Leben aller ihrer Mitschwestern in der ganzen Kongregation vor Gott.

 

Oft betete sie auch den Rosenkranz in allen Anliegen, die ihr von Mitschwestern, Verwandten, Angestellten und Bekannten anvertraut waren. Sr. Vincenta waren die Kontakte außerhalb der Gemeinschaft wertvoll und sie blieb mit vielen in Verbindung, mit denen sie an den verschiedenen Einsatzorten zusammengearbeitet hatte.

 

Im Dezember 2019 benannte sie das Folgende als ihr Apostolat: "Meine Mission ist die täglichen Aufgaben in Freud und Leid zu erfüllen und alles in Gottes Hände zu legen, denn von Ihm bekomme ich die Kraft. Es war schon zu allen Zeiten so."

 

In den letzten Wochen machte auch ihr linkes Bein zunehmend mehr Probleme und Sr. Vincenta musste daher zu einem Eingriff ins Krankenhaus. Dort kam eine Corona-Infektion hinzu und am ersten Weihnachtstag verstarb Sr. Vincenta in den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden.

 

In der Chronik wird über den 15. August 1961, an dem Sr. Vincenta ihre ewige Profess ablegte, berichtet, dass die Professinnen am Ende der Heiligen Messe einen Satz aus dem Marchtaler Singebuch sangen: "Ihm bin ich angetraut, dem die Engel dienen." Damit bekräftigten die Schwestern ihr Ja zum Leben als Pallottinerinnen. Der Eintrag über diesen Tag endet mit den Worten: "Gott segne es, dass es von allen in Treue gehalten werde!" Sr. Vincenta hielt die Treue – auch durch sehr schwere Zeiten voller Krankheit und Schmerzen.

 

In einem Gebetbuch bewahrte Sr. Vincenta einen Zettel mit einer Meditation auf, auf dem sie handschriftlich am Tag ihrer ersten Profess notierte: "Die Liebe zu Jesus sei deine einzige Leidenschaft." In diesem Vertrauen hat sie ihr Leben Gott übergeben und wir sind dankbar für alles, was Sr. Vincenta für unsere Gemeinschaft getan hat. Mögen auch wir die Liebe zu unserem Herrn und Bruder Jesus Christus über alles setzen.

 

Sr. Astrid Meinert SAC

Provinzoberin