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Zum Gedenken an Sr. Eva Hunold SAC

Bildquelle: Pall_LM

Am Sonntag, den 26. Januar 2020 verstarb unsere Sr. Eva Hunold morgens in unserem Haus Felizitas in Limburg.

 

Am 19. Juli 1922 wurde Sr. Eva als Tochter des Schlossers und Lokführers Johann Hunold und seiner Ehefrau Josefa, geborene Hoberg, in Olpe geboren. Als Sr. Eva vier Jahre alt war, starb ihre Mutter im Alter von 36 Jahren nach einer Fehlgeburt. Die Eltern mussten vorher schon mit Schicksalsschlägen umgehen – ihre Tochter Maria verschied im Alter von 9 Monaten und ein Jahr vor der Geburt von Eva verstarb der einjährige Hans. Sr. Eva wuchs mit ihren drei Brüdern Josef, Helmut und Hans auf. Zu ihrer Stiefmutter hatte sie ein sehr gutes Verhältnis, dennoch sprach Sr. Eva auch im hohen Alter immer wieder davon, dass sie ihre leibliche Mutter vermisse.

 

Bis zu ihrem 14. Lebensjahr besuchte Sr. Eva die Volksschule in Olpe. Nach einem einjährigen Halbtagsnähkurs bereitete sie sich an einer privaten Handelsschule auf eine kaufmännische Lehre vor, die sie später als Kaufmannsgehilfin abschloss.

 

Der Entschluss, Christus als Ordensfrau nachzufolgen, reifte in Sr. Eva schon früh. In ihrer Familie war der Glaube lebendig und der regelmäßige Kirchgang und das Feiern der Feste im Kirchenjahr gehörte ebenso zum Alltag, wie die praktische Nächstenliebe. Sr. Eva berichtete, dass kein Bettler ohne Gabe von ihrem Elternhaus weggehen musste. Auf dem Fragebogen für die Kandidatinnen beantwortete sie die Frage, warum sie in die Gemeinschaft der Pallottinerinnen eintreten möchte, mit der knappen Aussage, sie wolle Gott als Missionarin dienen.

 

Wie vielfältig ihr Apostolat werden sollte und an wie vielen Orten sie tätig sein würde, konnte sie sich im April 1947, als sie ihre Bewerbung nach Limburg schickte, sicherlich nicht vorstellen.

Am 1. Oktober 1947 trat Eva Hunold in die Kandidatur der Pallottinerinnen in Limburg ein und wurde an die Marienschule gesandt, um das Abitur zu erwerben. Im Februar 1951 begann ihr Postulat und am Fest Mariä Himmelfahrt 1951 wurde Sr. M. Ignazis eingekleidet. Später kehrte sie wieder zu ihrem Taufnamen Eva zurück.

 

In ihrer ersten Profess hatte Sr. Eva versprochen, dorthin zu gehen, wohin sie gesandt würde. Und schon am Abend ihrer Profess am 15. August 1953 wurde sie von ihrer Generaloberin angesprochen, dass man sie nach England schicke, um dort Physik zu studieren. In England war sie nach ihrem Studium einige Jahre lang im Gymnasium der Pallottinerinnen in Rochdale als Lehrerin für Physik und Mathematik tätig, was ihr große Freude bereitete. Allerdings wurde sie durch eine Krankheit immer schwächer. Trotz vieler Untersuchungen konnten die Ärzte den Grund für ihre Symptome nicht finden. Im Alter von 40 Jahren wachte sie eines Morgens auf und musste sofort in die Notaufnahme eingeliefert werden. Ihr Leben hing an einem seidenen Faden. Kaum im Krankenhaus angekommen, verlor sie das Bewusstsein. Während dieser Ohnmacht erlebte sie zuerst einen Zustand großer Angst und danach einer tiefen, allumfassenden Geborgenheit. Sie beschrieb diese Erfahrung mit folgenden Worten: "Früher sagte ich, ich weiß nicht, ob Gott existiert, aber ich glaube es. Seit diesem Erlebnis glaube ich nicht nur, dass es IHN gibt. Ich weiß es."

 

Lange Zeit musste Sr. Eva im Krankenhaus bleiben und nach einer kurzen Rückkehr in den Dienst als Lehrerin kam Sr. Eva im Sommer 1967 nach Deutschland zurück. Bald darauf wurde ihr die Möglichkeit zu einer weiteren Ausbildung gegeben und Sr. Eva zog nach Innsbruck, um dort Pastoralpsychologie und Psychologie zu studieren, um später in der Erwachsenenbildung tätig zu werden. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag promovierte sie. Danach war Sr. Eva viele Jahre lang freiberuflich tätig.

 

Von 1975 bis 1980 war sie Leiterin des Instituts für wissenschaftliche Weiterbildung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner in Vallendar.

Eine erneute Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes machte wieder einen Aufbruch nötig und ab Sommer 1983 fand Sr. Eva ihre Heimat in Schönwald im Schwarzwald. Sie sagte über diese Zeit: "Ich lebe gerne in Gemeinschaft, habe die Einsamkeit im Schwarzwald jedoch schätzen gelernt. Das Alleinsein war nicht immer einfach, aber für mein religiöses Leben war es wichtig."

 

Sr. Eva erhielt von unserer Gemeinschaft die Chance, lebenslang immer Neues zu lernen und die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Nicht nur außerhalb hatte sie viele verschiedene Aufgaben inne, sondern auch intern. Sie war Junioratsleiterin, Mitglied im Provinzrat und auch Provinzvikarin und später Trägervertreterin in unserer Kindertagesstätte in Refrath.

Sr. Eva hatte ein großes historisches Interesse und arbeitete mit an der Dokumentation der Geschichte unserer Kongregation. Von 1983 bis 2010 war sie Generalarchivarin und verbrachte immer wieder Zeit in Rom.

 

Ihre Spiritualität fand im Alter noch einmal einen ganz neuen Ausdruck. Sie war fasziniert von der tiefen Glaubenswahrheit, dass die Ikonen auf den Himmel verweisen, ja, schon einen Blick auf das Reich Gottes im Hier und Jetzt zulassen. Sr. Eva begann, selbst Ikonen zu schreiben, bis ihre Sehfähigkeit es nicht mehr zuließ.

 

Psalm 84 hat Sr. Eva besonders berührt. Die Verse "Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen. Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn." (Ps 84, 2-3a) hat sie als Überschrift über ihre eigenhändigen Notizen zu ihrem Leben gewählt. In Vers 12 des Psalms heißt es dann: "Gott der Herr ist Sonne und Schild". Wir sind gewiss, Sr. Eva darf unseren Herrn nun in seiner strahlenden Herrlichkeit schauen und ist bei ihm geborgen. Die Ikonen waren ein Schlüsselloch im irdischen Leben – nun sieht sie Gott, wie er ist.

 

Wir danken Gott für das Leben unserer Mitschwester Eva und für alles, was sie für unsere Gemeinschaft getan hat. Mögen auch wir stets bemüht sein, den Himmel immer und überall zu suchen und in unseren Herzen die Sehnsucht nach Gott lebendig zu halten.