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Heimgang von Sr. Rita Büdenbender SAC

Bildquelle: Pall_LM

Am Nachmittag des 17. September 2020 verstarb unsere Sr. Rita Büdenbender im Haus Felizitas in Limburg.

 

Rita und Gertrud, ihre Zwillingsschwester, kamen am 20. August 1934 in Rudersdorf zur Welt. Ihr Vater Ewal d war von Beruf Walzenformer und seine Ehefrau Maria war Hausfrau. Drei Jahre später wurde die jüngste Tochter Ursula geboren.

Die Zwillinge waren gerade vier Jahre alt, als ihr Vater Ewald an einer Lungenentzündung starb. Die Mutter trug nun allein die Verantwortung für die drei Töchter.

 

Nach ihrer Schulzeit war Rita acht Jahre bei ihrer Tante als Haushaltsgehilfin tätig. Während dieser Zeit war sie ein halbes Jahr als Kochlehrling im Exerzitienhaus der Pallottiner in Olpe.

 

Im April 1958 schickte Rita die Bitte um Aufnahme ins Postulat nach Limburg. Sie antwortete auf die Frage, warum sie in den Missionsdienst treten wolle, dass sie davon überzeugt sei, dass genau dies der Wille Gottes für ihr Leben sei.

Der Bewerbung lag ein Pfarramtliches Zeugnis des Heimatpfarrers bei, der ausführlich schilderte, wie er Rita erlebte. Er schreibt, dass sie sehr engagiert in der Pfarrei mitgearbeitet hat und betont besonders, dass Rita alle ihr übertragenen Aufgaben hervorragend erfüllte und dabei doch unglaublich bescheiden blieb. Sie hatte wohl lange über eine Berufung zum Ordensleben nachgedacht und bat schließlich den Pfarrer um ein Gespräch. Sie berichtete ihm, dass es einen jungen Mann gab, der sich zu ihr hingezogen fühlte. Der Pfarrer notiert dazu in seinem Zeugnis:

„Trotz einer ehrenhaften, jungen Bekanntschaft mit einem jungen Manne aus hiesiger Pfarrgemeinde wurde sie über diese sich anbahnende Zuneigung nicht recht froh, weil sie (…) spürte, wie unüberhörbar stark in ihrem Inneren der Ruf nach der größeren Liebe inzwischen geworden war.“ Abschließend schreibt der Priester: „Rita ist sich der ganzen Verantwortung und auch der Schwere ihres Vorhabens vollauf bewusst. Dass sie trotzdem alle hierzu erforderlichen Maßnahmen mit Selbstverständlichkeit und innerer Bereitschaft trifft, darf als Kriterium einer echten Berufung angesehen werden.“

 

Und so trat Rita im Oktober 1958 ins Postulat ein und erhielt am 13. August 1959 bei ihrer Einkleidung den Namen Sr. M. Irmtrud. Später kehrte sie zu ihrem Taufnamen zurück. Nach dem Noviziat absolvierte Sr. Rita eine Ausbildung als Wirtschafterin und einige Jahre später erwarb sie die Eignung zur Berufsausbilderin in der Hauswirtschaft.

 

An vielen Orten war Sr. Rita als Wirtschafterin in der Küche tätig. Ihre Einsatzorte waren Limburg, Gereonsweiler, Erlenbach, Bensberg, Olpe und das Gästehaus in Rom. Gerne sprach Sr. Rita immer wieder von den 13 Jahren, die sie in Rom tätig war. Es machte ihr große Freude, ihre Mitschwestern und Gäste aus nah und fern zu bekochen und viele Gäste schätzten sie sehr. Kardinal Meisner fragte immer, wenn er in Rom war, wie es Sr. Rita denn gehe. Und ihre Plätzchen wurden jedes Jahr von der Hausgemeinschaft wieder mit Freude erwartet. Eine deutsche Blätterteigspezialität wurde von ihr in Rom etabliert – wenn Sr. Rita „Schweinsöhrchen“ machte, waren alle begeistert.

 

Wer mit Sr. Rita in der Küche tätig war, durfte in ihr eine Chefin erleben, die gut strukturieren konnte. Wenn die Arbeit getan war, dann konnte sie das Tagewerk auch als beendet erklären, auch wenn die Uhr vielleicht noch erlaubt hätte, weiter tätig zu sein. Auf der anderen Seite war sie auch spät noch in der Küche anzutreffen, wenn es noch etwas zu erledigen gab.

Wie wichtig das Apostolat der Köchin in einer Gemeinschaft ist, wird schon daran deutlich, dass das Wort Refektorium, der Speisesaal der Gemeinschaft, vom lateinischen Wort „refectio“ stammt, das ursprünglich Erfrischung und Erholung bedeutet. Und auch bei Sr. Rita durften alle Schwestern und Besucher genießen und sich dann gestärkt und erholt wieder auf den Weg machen.

 

Sr. Rita war ein Mensch der Gemeinschaft. Von Beginn ihres Lebens an lernte sie zu teilen, denn als Zwilling ist man nie alleine. Sie freute sich immer sehr, wenn ihre Zwillingsschwester Gertrud zu Besuch kam und eine ganz besondere Erinnerung war für Sr. Rita die Feier ihrer beiden 70. Geburtstage in Rom. Kurz darauf kehrte sie dann nach Limburg zurück und half mit, wo sie in Küche und Refektor gebraucht wurde.

 

Ende 2009 zog sie in unser Haus Felizitas, solange aber unser Schälkämmerchen bestand, war sie im Kreis einiger anderer Schwestern dort vormittags stets anzutreffen.

Sr. Rita war sich Zeit ihres Lebens gewiss, dass die Berufung in unsere Gemeinschaft Gottes Wille war, den sie gerne erfüllte. Sie freute sich, wenn Gottesdienste schön gestaltet waren und sie sang sehr gerne.

Wer Sr. Rita in Haus Felizitas besuchte, wurde oft von ihr gefragt: „Wie geht es dir denn?“ Und man spürte, dass ein ehrliches Interesse hinter der Frage stand. Wenn man sie darum bat, sie möge im Gebet ein Anliegen mit vor Gott tragen, dann hat sie das gerne und treu getan.

 

Als Zwilling und als eine, die gerne in Gemeinschaft lebte, fiel es ihr schwer, alleine zu sein. Die Nächte waren im hohen Alter, als auch der Geist schon etwas verwirrt war, nicht leicht für Sr. Rita. Oft genügte es schon, wenn einfach eine Person in der Nähe war. Und bis zum Schluss konnte man in ihren Augen sehen, wie sehr sie sich freute, wenn man zu ihr kam.

 

Ihr Tod kam nicht plötzlich, aber dennoch überraschend. Sie schlief ganz ruhig ein und gelangte so zum Herrn, dessen Liebe ihr so viel wert war, dass sie ihm als Pallottinerin nachfolgte. Wir erinnern uns dankbar an Sr. Rita und sind uns sicher, dass sie beim Herrn geborgen ist, dessen Güte so weit reicht, wie der Himmel ist und dessen Treue, so weit die Wolken ziehe

 

Sr. Astrid Meinert SAC

Provinzoberin