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Heimgang von Sr. Brunhilde Vogt SAC

Unsere Sr. Brunhilde Vogt verstarb in den frühen Morgenstunden am 16. April 2026 in unserem Haus Felizitas in Limburg.

 

Am 19. September 1937 wurde Brunhilde als erstes Kind des Elektromechanikers Hermann Vogt und seiner Ehefrau Josefine, geborene Schönberger, in Stuttgart geboren. Als Brunhilde vier Jahre alt war, kam ihr Bruder Gerhard zur Welt. Sie war eine stolze große Schwester und freute sich, wenn sie auf ihr Brüderchen aufpassen durfte.

 

Die Familie war in der Heimatpfarrei aktiv und Brunhilde engagierte sich nicht nur in der Pfarrjugend, sondern auch als freiwillige Helferin im Sozialdienst in ihrem Wohnviertel.

 

Nach dem Schulabschluss trat sie eine Stelle in der Lernabteilung der Stadtverwaltung Stuttgart an und wechselte dann ins Sozialamt, wo sie schließlich im Sekretariat der Jugendgerichtshilfe arbeitete.

 

Mit einer Freundin, die sich für das Ordensleben interessierte, verbrachte Brunhilde 1962 ein paar Tage im Kloster Marienborn in Limburg. Fünf Monate später schrieb sie: "Da es mir so gut gefallen hat und ich von der ganzen Atmosphäre Ihres Klosters angetan war, habe ich mich nun entschlossen, bei Ihnen einzutreten". Sie stellte viele Fragen, was sie alles vorbereiten müsse und schon einen Monat später schickte sie den Fragebogen zur Aufnahme nach Limburg, "um Christus in ganz besonderer Weise nachzufolgen und mitzuarbeiten an der Ausbreitung des Gottesreiches gemäß dem Auftrag Christi".

 

Im Juli 1963 begann Brunhilde ihr Postulat und am Fest Mariä Himmelfahrt 1964 wurde sie als Sr. M. Jonita eingekleidet. 1972 kehrte sie zu ihrem Taufnamen Brunhilde zurück.

 

Am 15. August 1966 legte Sr. M. Jonita ihre erste Profess ab und im Mai 1972 versprach sie, Christus auf ewig in der Gemeinschaft der Pallottinerinnen nachzufolgen.

 

Sr. Brunhilde war zuerst in Limburg in verschiedenen Bereichen eingesetzt und absolvierte dann die Ausbildung zur Seelsorgehelferin in Münster.

Ihr erster Einsatz in diesem Apostolatsfeld begann im September 1971 in Eddersheim, wo sie 14 Jahre als Gemeindereferentin wirkte. Sr. Brunhilde ging ganz in dieser Aufgabe auf und war aus dem Leben der Pfarrei schon bald nicht mehr wegzudenken. Zu ihrem Abschied erschien in der Limburger Bistumszeitung "Der Sonntag" ein Artikel, der ihr Engagement würdigte. "Sie war unermüdlich im Dienst der Pfarrgemeinde tätig. Das Pfarrblatt "Aktuell" kam immer pünktlich in Umlauf; organisatorische und verwaltungstechnische Arbeiten und viele kleine Dienste im Bereich einer Gemeinde erledigte sie still und ohne viel Aufhebens. Nachmittags war sie häufig in den Straßen unterwegs, um ältere Menschen, Kranke oder Neuzugezogene zu besuchen."

In der Hattersheimer Zeitung wurde zusammengefasst, dass Sr. Brunhilde sah, wo sie gebraucht wurde und sich dann dort einsetzte.

 

Nach einem Weiterbildungskurs in München folgte ein viereinhalbjähriger Einsatz als Gemeindereferentin in Langendernbach, bevor Sr. Brunhilde am ersten September 1991 in die Procura Generale, unser Gästehaus in Rom, versetzt wurde. Dort arbeitete sie an der Pforte und in der Verwaltung.

 

Es ist wohl nicht falsch, wenn man sagt, dass Sr. Brunhilde ein Vierteljahrhundert lang unserem Gästehaus ein freundliches Gesicht verlieh. Sie machte für unzählige Gäste und für viele Mitschwestern, die in Rom zu Besuch waren, Unmögliches möglich: Kurzfristig wurden Karten für eine Papstaudienz besorgt. Der Besuch in Katakomben und am Petrusgrab wurde organisiert. Restauranttipps führten zu kulinarischen Freuden zu guten Preisen. Rundgänge mit ihr führten an Orte, die ein Tourist normalerweise nicht findet. Und stets fanden Ratsuchende ein offenes Ohr.

 

Die große Zahl an Menschen, die mit Sr. Brunhilde bis zum Schluss in Kontakt waren, bezeugen ihre Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Und alle konnten sich sicher sein, dass für sie gebetet wurde.

Der Abschied aus Rom fiel Sr. Brunhilde sehr schwer und sie wünschte sich sehnlichst, vor ihrer Heimreise nach Deutschland, eine Messe im kleinen Kreis mit Papst Franziskus in der Kapelle Santa Marta im Vatikan mitfeiern zu dürfen. Am 10. November 2016 wurde ihr dieser Wunsch erfüllt und auf dem Foto, das anlässlich eines persönlichen Gesprächs im Anschluss an den Gottesdienst aufgenommen wurde, strahlte Sr. Brunhilde, als der Papst sie aus Rom verabschiedete. Mit unzähligen schönen Erinnerungen im Gepäck kehrte sie nach Marienborn in Limburg zurück.

 

Als ihre Gesundheit ihr mehr und mehr zu schaffen machte, zog sie ganz bewusst in unser Haus Felizitas. Oft traf man sie im Garten bei ihren Spaziergängen an. Gerne erzählte sie dann von ihrem Tag und meistens kam sie im Gespräch irgendwie zurück auf ihre Zeit in Rom.

Eine große Leidenschaft von Sr. Brunhilde war es auch, andere zu beschenken. Dabei wurde sie sehr kreativ. Kleinigkeiten wurden liebevoll verpackt und es fehlten nie persönliche Zeilen. Ihr war es wichtig, anderen Menschen eine Freude zu bereiten.

 

Noch am Tag vor ihrem Tod war sie nachmittags in unserer Provinzhauskapelle im Kreise der Schwestern im Gottesdienst. Es ging ihr zuletzt nicht gut, aber die Nachricht, dass Sr. Brunhilde in der Nacht verstorben war, überraschte doch alle.

Im Wissen, dass sie in ihrem Leben fest auf Gott vertraut hat und gewiss war, am Ende in seine liebevollen Arme genommen zu werden, müssen wir in dieser Osterzeit nicht trauern, sondern dürfen dankbar an das Wirken von Sr. Brunhilde in unserer Kongregation zurückdenken.

 

Mögen wir uns einen Ausspruch von Sr. Brunhilde zu eigen machen: "Herr, nimm mich so, wie ich bin und mache mich so, wie du mich haben willst."