
Heimgang von Sr. Helga Mateina SAC
Am 11. Juni 2025 gab Sr. Helga Mateina ihr Leben zurück in die Hände Gottes. Sie verstarb nachmittags in unserem St. Josefshaus in Refrath, begleitet von ihren Mitschwestern.
Helga kam am 2. Dezember 1940 als zweites von fünf Kindern des Ziegelbrenners Viktor Mateina und seiner Ehefrau Paula Mateina, geborene Biernath, in Jommendorf im Kreis Allenstein im Ermland zur Welt.
Kurz vor Kriegsende musste die Familie Ostpreußen verlassen. Da der Vater eingezogen worden war, war die Mutter mit drei Kindern alleine auf der Flucht. In Gdingen, in der Nähe von Danzig, starb Sr. Helgas kleiner Bruder Georg mit gerade fünf Monaten.
Später hat sie oft ihre Erinnerungen geteilt. Auf der Flucht haben sich der dreijährigen Helga Bilder und Geräusche eingeprägt – brennende Städte und Dörfer und das Weinen ihres kleinen Bruders. Auch von den Schreien ihrer Mutter hat sie berichtet. Als Georg in deren Armen erfroren war, weinte die Mutter laut.
Mit dem Vater, der krank aus dem Krieg zurückkehrte, wieder vereint, lebte die Familie an mehreren Orten in Schleswig-Holstein. Als Helga um Aufnahme ins Postulat in Limburg bat, schrieb ihr Heimatpfarrer: "Die Eltern haben sich aber bemüht, ihren Kindern das kostbare Gut, das ihnen der Krieg nicht rauben konnte, den hl. kath. Glauben, zu erhalten."
Helga engagierte sich in der Pfarrjugend und schloss ihre Schulzeit mit dem Abitur erfolgreich ab. Die Gemeinschaft der Pallottinerinnen hatte sie über Bischof Bruno Hippel SAC kennen gelernt, der aus ihrer Pfarrei stammte und in Südafrika wirkte. Von ihm ließ sie sich mit der Begeisterung für die Mission anstecken. Nachdem schon einige Jahre in ihr der Wunsch gereift war, Ordensschwester zu werden, trat sie am 11. August 1961 in Facit in England ins Postulat ein.
Bei der Einkleidung in Limburg im Jahr darauf erhielt sie den Ordensnamen Sr. Victoris, sie kehrte aber später zu ihrem Taufnamen zurück. Am Fest Maria Himmelfahrt 1964 legte sie ihre erste Profess ab. Im Juniorat wurde Sr. Helga nach Südafrika gesandt, wo sie am Dreikönigstag 1970 ihre ewige Profess feierte.
In Pinelands und Philippi absolvierte sie ein Studium der Grundschulpädagogik und unterrichtete drei Jahre lang an der Sacred Heart School in Oudtshoorn.
Im Oktober 1972 verließ Sr. Helga Südafrika und nach einem halbjährigen Kurs in Rom kehrte sie 1973 nach Deutschland zurück, wo sie zuerst in Limburg, dann in Refrath und in Bensberg an der Pforte und in der Aufnahme wirkte.
Sr. Helga begann im Februar 1975 ihren Dienst in der Wilhelm-Wagener-Schule in Refrath. Bis Ende August 1989 war diese Sonderschule ihr Apostolat. Mit weitem Herzen kümmerte sie sich um die Schülerinnen und Schüler, die besondere Unterstützung in verschiedensten Bereichen brauchten.
Nach ihrem Ausscheiden bescheinigte der Schulrat, dass Sr. Helga die Entwicklung der Kinder stets individuell im Blick hatte: "Sie ging jedem ihr anvertrauten Kind bis in seine bisweilen problembeladene Familie nach und kümmerte sich unter großem persönlichen Einsatz um Praktikantenstellen und Ausbildungsplätze."
Es folgten dann fast sechs Jahre Einsatz in der Verwaltung im Exerzitien- und Bildungshaus in Limburg. Im Mai 1995 kehrte Sr. Helga nach Refrath zurück und war in der Betreuung der Heimbewohner und in der Altenheim-Seelsorge tätig. Nach einem kurzen pastoralen Einsatz in Genthin, einer Pfarrei in der Diaspora, übernahm sie 2003 die Seelsorge im St. Josefshaus in Refrath.
Ein weiteres Mal führte sie ihr Weg nach Rom, als sie anderthalb Jahre in der Verwaltung und an der Pforte der Procura Generale mitarbeitete.
Im November 2014 wurde Sr. Helga in die Kommunität nach München gesandt, wo sie ehrenamtlich Flüchtlingskinder betreute und Besuchsdienste im Altenheim St. Nikolaus übernahm.
Als sie zunehmend Unterstützung benötigte, kehrte sie im Februar 2021 ins St. Josefshaus nach Refrath zurück, wo sie anfangs noch Besuchsdienste im Haus übernahm. Im April 2024 bezog sie dann ein Zimmer im Pflegebereich. Mit großer Geduld ertrug sie die voranschreitende Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes.
Meditation und Gebet waren Sr. Helga kostbar und wichtig. Ihrem Herrn teilte sie ihre Sorgen und Ängste mit. Einige Psalmen versah sie mit Bezügen zu ihren persönlichen Erlebnissen. Auch wenn sie noch ein Kleinkind war, als die Familie flüchtete, so prägte diese Zeit doch ihr Leben.
Sr. Helga hat vieles, was sie bewegt hat, aufgeschrieben. Das Leben in Gemeinschaft stellte sie und ihre Mitschwestern bisweilen auf eine harte Probe. Zuletzt hat ihre Krankheit auch ihre früher ganz exakte Schrift gekennzeichnet. Eine Notiz aus dem letzten Jahr steht für ihr inneres Ringen, aber eben auch für das ganz tiefe Vertrauen auf ihren Herrn. "Der Herr über die ganze Schöpfung heile dein Gestern und segne dein Morgen."
Wir vertrauen darauf, dass für Sr. Helga alle Wunden des Gestern nun aufgehoben sind und sie im Morgen der Herrlichkeit Gottes befreit lebt.
Dankbar für ihr Wirken mögen auch wir wachsen, wenn wir das Vergangene Gott überlassen und uns von ihm auf seinen Wegen führen lassen.