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Heimgang von Sr. Rita Lore Wicklein SAC

Für uns überraschend nahm der Herr unsere Sr. Rita Lore Wicklein am Morgen des 20. Oktober 2026 zu sich. Sie verstarb im Vinzenz Krankenhaus in Limburg.

 

Rita Lore kam am 15. März 1938 als erstes Kind des Chemotechnikers Ernst Wicklein und seiner Frau Margarethe, geborene Dinges, in Frankfurt-Höchst zur Welt. Schnell folgten zwei Schwestern und dann wurde die junge Familie durch den Tod der Mutter erschüttert, Rita Lore war noch keine fünf Jahre alt. Der Vater heiratete wieder und so kamen noch ein Bruder und eine weitere Schwester hinzu. Einer Mitschwester erzählte Sr. Rita Lore einmal, dass ihr zwei Mütter geschenkt waren – die leibliche Mutter im Himmel und die Mutter ihrer späteren Kindheit und Jugend. Die Geschwister wuchsen miteinander in Hofheim am Taunus auf und waren stets eng verbunden. Engagiert in der Pfarrgemeinde spürte Rita Lore schon früh den Wunsch nach einem religiösen Leben. Nach ihrem Schulabschluss der mittleren Reife absolvierte sie eine kaufmännische Lehre und arbeitete später als Kauffrau.

Schon gegen Ende ihrer Ausbildung stand Rita Lore mit Mutter Aquina in Briefkontakt, da sie Interesse am Missionsdienst hatte. Sie muss in einem Brief nach Limburg auch geschrieben haben, dass sie spürte, dass ein kaufmännischer Beruf nicht ihre wirkliche Berufung war. Sr. M. Aquina riet ihr im September 1957: „Wenn Sie nun diese an sich ungeliebte Arbeit für die Ausbreitung des Gottesreiches aufopfern, dann sind Sie schon jetzt Missionarin.“

 

Im Juli 1959 trat Rita Lore in unsere Kongregation ein und wurde am 10. August 1960 als Sr. M. Paschalis eingekleidet. Später kehrte sie zu ihrem Taufnamen zurück.

Nach der ersten Profess am Fest Mariä Himmelfahrt 1962 war Sr. Rita Lore ein Jahr lang Mitglied der Kommunität in Langendernbach und kehrte dann nach Marienborn zurück, um an der Marienschule das Abitur abzulegen. Nach der ewigen Profess am 15. August 1967 wurde Sr. Rita Lore nach Belize gesandt, wo sie an der Stella Maris School für körperbehinderte Kinder als Lehrerin tätig war.

 

Bereits nach elf Monaten kehrte Sr. Rita Lore nach Deutschland zurück und begann ihr Medizinstudium an der Universität in Heidelberg, das sie mit dem Staatsexamen und der danach folgenden Promotion zum Dr. med. am 12. Dezember 1974 abschloss.

Es folgten die Jahre als Assistenzärztin in drei verschiedenen Krankenhäusern, darunter auch unserem Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg, sowie einer Landarztpraxis in Hünfelden Kirberg.

 

Als Sr. Maria Knaus, die damalige Provinzoberin der deutschen Provinz, anregte, eine neue Mission zu gründen, hatte Sr. Rita Lore gerade die Anerkennung als Ärztin für Allgemeinmedizin erhalten. Sie wurde gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, Teil dieser neuen Missionsgründung zu werden und Sr. Rita Lore war gerne bereit. Gemeinsam mit Sr. Alexia Schubert (Sr. Christina) und Sr. Mathilde Dierkes bereitete sie sich auf die Ausreise nach Brasilien vor. Durch Kontakte zu Bischof Reinhard Pünder, der aus dem Bistum Limburg stammte, war die Wahl auf die Diözese Coroatá im armen Nordosten Brasiliens gefallen.

Im Januar 1980 reisten die drei Schwestern nach Brasilien und am 3. August 1980 wurde die erste Kommunität in Timbiras offiziell errichtet. Alle drei Pionierinnen hatten eine stark ausgeprägte Persönlichkeit und ihr je eigenes Charisma, was das Zusammenleben nicht immer einfach machte.

 

Nach einem Arztpraktikum im Krankenhaus von Timbiras erkannte Sr. Rita Lore, dass es wichtiger war, in der Prävention zu arbeiten und Gesundheitshelfer auszubilden, die in der Stadt und in den Dörfern das Bewusstsein für Hygiene, Ernährung und sauberes Trinkwasser förderten.

Als sich die ersten Brasilianerinnen unserer Gemeinschaft anschlossen, übernahm Sr. Rita Lore die Noviziatsleitung. Sie war verantwortlich für den Kontakt zur Provinzleitung und trug intern Verantwortung als Hausoberin und in der Begleitung der brasilianischen Mitschwestern.

In Timbiras und später auch in Codó war sie zeitweise vom Bischof als Pfarrverwalterin eingesetzt. Zusammen mit den brasilianischen Schwestern in Codó legte Sr. Rita-Lore mit großem Einsatz die Basis für die späteren pallottinischen Pfarreien Santa Terezinha und São Raimundo.

Das Hauptmerkmal der Arbeit von Sr. Rita Lore und ihren Mitschwestern bestand in der Ausbildung und Begleitung von Leitungskräften unter den Laien. Sie schulten und förderten Katecheten, Kommunionhelfer und Coordenadores, das sind Leiter von ländlichen Basisgemeinschaften. Sie befähigten sie, Wortgottesdienste zu leiten, die Kapellen im Hinterland zu verwalten und karitative Aktionen eigenständig zu organisieren. Dabei stand der Gedanke im Vordergrund, dass alle Getauften in ihrem eigenen Lebensumfeld Apostel sein sollen.

Sr. Rita Lore hat in Zusammenarbeit mit den Schwestern vieles initiiert und manches davon lebt bis heute, zum Beispiel das Kinderprojekt Criança Esperança, das Sozialzentrum São Vicente Pallotti mit einem Garten mit Heilpflanzen, die Vorschule Santa Rita und die landwirtschaftliche Schule Irma Rita Lore Wicklein.

Für 24 Jahre war Brasilien die Heimat von Sr. Rita Lore. Es fiel ihr nicht leicht, das Land zu verlassen, in dem sie unermüdlich mit den Menschen für ein gesunderes und gutes Leben gerungen hatte. Doch ihre Wahl als Generalvikarin rief sie im Juni 2004 nach Rom. Bis 2010 gehörte sie dem Generalrat an.

 

Ende Mai 2010 kehrte Sr. Rita Lore nach Deutschland zurück und wurde in die Kommunität in Bensberg versetzt, wo sie bis zur Auflösung der Niederlassung blieb. Mit den Schwestern aus Bensberg zog sie um nach Refrath. In all den Jahren nahm sie verschiedene Dienste wahr und blieb in einem guten Kontakt zu den Schwestern in Brasilien. Aus gesundheitlichen Gründen zog sie im August 2023 in unser Haus Felizitas in Limburg.

 

Als 2022 Corona auch das Leben unserer Gemeinschaft prägte, antwortete Sr. Rita Lore auf meine Ostergrüße: „Die Erfahrung des Ostersamstags war für mich immer eine Erfahrung des Übergangs, der Dankbarkeit, des „Es ist vollbracht!“. Denn das was an mir liegt, ist getan. Es bedeutet aber auch letzte Hingabe aus Jesu Worten: „In Deine Hände lege ich meinen Geist.“ Und so erlebe ich: Gelassenheit und Vertrauen, Offenheit und Leere, denn alles Weitere hängt von Gott ab, einem Gott in seiner unendlichen Liebe.“

Mögen auch wir Gelassenheit und Vertrauen zu unseren Eigenschaften machen. Wir sind dankbar für das Wirken von Sr. Rita Lore in Brasilien und es ist eine große Freude, dass die einheimischen Schwestern den Geist der Gründung weiterführen, dabei aber ihre eigenen Akzente setzen. Sie leben mit den Menschen und ihr Apostolat ist vielfältig.

Wir dürfen gewiss sein, dass Sr. Rita Lore nun für das pallottinische Leben in Codó, Timbiras und Teresina Fürbitte halten wird.