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Heimgang von Sr. M. Theresa Merkel SAC

In den frühen Nachtstunden des 14. Januar 2026 gab unsere Sr. M. Theresa Merkel ihr Leben zurück in Gottes Hand.

 

Am 14. Juli 1934 wurde Inge Maria als erstes von drei Kindern des Schlossers Josef Merkel und seiner Ehefrau Anna, geborene Petry, in Hochheim am Main geboren.

Zusammen mit ihrer sieben Jahre jüngeren Schwester Hildegard und ihrem neun Jahre jüngeren Bruder Rudi verlebte sie eine sorglose Kindheit. Die Eltern waren tief verwurzelt im Glauben und Inge engagierte sich in der Katholischen Jugend.

 

Nach der Volksschule besuchte Inge die Städtische Handelsschule Wiesbaden und begann 1950 eine dreijährige Verwaltungslehre beim Hessischen Statistischen Landesamt in Wiesbaden. Nachdem sie ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde sie vom Statistischen Landesamt als Verwaltungsangestellte übernommen.

 

Schon früh regte sich in Inge die Frage nach ihrer Berufung. In ihrem Lebenslauf, den sie ihrer Bewerbung um Aufnahme ins Postulat beifügte, schrieb sie: „Durch meine Führerinnen-Tätigkeit bei der Katholischen Jugend kam ich am Lichtmesstag der Führerinnen 1952 auch einmal nach Marienborn. An diesem Tag wurde zum ersten Mal wieder das Interesse für den Schwesternberuf wachgerufen – durch das Blättchen: ‚Willst nicht auch du helfen‘. Seitdem ließ mich der Gedanke nicht mehr los.“

Ihr damaliger Heimatpfarrer notierte in knappen Worten, „Inge Merkel gehört zu unseren besten katholischen Mädchen. Sie hat bis jetzt ein vorbildliches religiöses Leben geführt.“

 

In der Entscheidungsfindung, in welche Gemeinschaft Gott sie rufe, wurde Inge die Bibelstelle „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ geschenkt. Daraufhin fiel ihre Entscheidung für die Missionspallottinerinnen. Im Oktober 1955 trat Inge dann ins Postulat in Limburg ein.

Bei ihrer Einkleidung am 15. August 1956 erhielt Inge den Namen Sr. M. Theresa. Zeit ihres Lebens war Sr. Theresa eine große Verehrerin von Therese von Lisieux und sie war glücklich über ihren Ordensnamen. Zwei Jahre später folgte die erste Profess und am Fest Mariä Himmelfahrt 1964 legte Sr. Theresa ihre ewigen Gelübde ab.

 

Da Sr. Theresa durch ihre Ausbildung für die Verwaltung prädestiniert war, wurde sie auch genau in diesem Feld in verschiedenen Niederlassungen eingesetzt. Sie begann in Limburg und erhielt dort auch einen Einblick in die Krankenhausverwaltung Hadamar. 1959 folgte die Versetzung in die Verwaltung des Vinzenz Pallotti Hospitals in Bensberg. Von dort aus ging sie im Januar 1960 nach Erlenbach, wo in diesem Jahr das Kreiskrankenhaus eröffnet wurde. Sr. Theresa war für die Buchhaltung zuständig und begleitete später auch den Übergang des Krankenhauses in die Trägerschaft der Kreisverwaltung des Landkreises Miltenberg-Obernburg.

 

Zu Beginn des Jahres 1969 wurde Sr. Theresa nach Bensberg versetzt und im Mai 1977 begann dann ihr Einsatz in der Verwaltung in Limburg. Sr. Theresa wurde zur Provinzökonomin berufen und insgesamt 25 Jahre lang hatte sie diese wichtige Aufgabe inne. Über ihre Tätigkeit lernte sie auch Herrn Flach kennen, der bei der Commerzbank tätig war und bat ihn, der Provinz mit seiner Expertise zu helfen. Es war genau zu der Zeit, als viele Ordensgemeinschaften überlegten, wie sie ihre Finanzen sicher regeln können, da die Versorgung im Alter ein wichtiges Thema für alle Kongregationen ist. Nach seinem Abschied aus dem aktiven Dienst in der Bank engagierte sich Herr Flach sechsundzwanzig Jahre lang ehrenamtlich für unsere Provinz und war an mehreren Tagen der Woche in seinem Büro in unserer Provinzverwaltung anzutreffen – auch über die Amtszeit von Sr. Theresa als Provinzökonomin hinaus.

 

Sr. Theresa war viele Jahre für die Bibliothek in Marienborn verantwortlich und nach ihrem Ausscheiden aus der Verwaltung hatte sie dort auch ihren Arbeitsplatz. Sie führte die Kasse der Schwestern mit großer Genauigkeit und erstellte die monatlichen Anweisungen für das Stundengebet. Die Liturgie lag ihr sehr am Herzen – vor allem das gesungene Gotteslob. Sie leitete die Schola und führte die Antiphonen und Psalmodien ein, wie sie im Benediktinerkloster Münsterschwarzach gesungen wurden.

 

Die Musik war schon von Kindheit an eine große Leidenschaft von Sr. Theresa. Mit dreizehn Jahren bekam sie Geigenunterricht und ihr erstes eigenes Instrument. Immer wieder erzählte sie davon, dass ihr das Anstimmen der Gesänge im Stundengebet so leicht falle, weil das Stimmen der Geige ein gutes Gehör erfordert. Sie hatte auch eine wunderschöne Singstimme und war von 1985 bis 2005 Mitglied des Kirchenchores in Dietkirchen. Als ihr das Stehen bei Gottesdiensten und Konzerten immer schwerer fiel, musste sie schweren Herzens aus dem Chor ausscheiden.

 

Weil sie die Musik so sehr liebte und es ein wichtiger Teil ihres Lebens war, war es eine große Bürde für Sr. Theresa, den schrittweisen Verlust ihres Gehörs anzunehmen. In den letzten Jahren ging auch ihr Geist immer mehr zurück, den Weg in die Kapelle zu Gebet und zur Eucharistiefeier fand sie aber bis zum Schluss. Oft war sie schon lange vor Beginn auf ihrem Platz und war dem Herrn nahe, dessen Ruf sie gefolgt war. Am 25. März 1955 hatte sie in ihrem Aufnahmegesuch formuliert: „Ich freue mich schon lange darauf, mein Leben ganz Gott zu schenken und alles einzusetzen für die Missionen.“

 

Der Herr schenkte ihr viele Jahre in der Gemeinschaft der Pallottinerinnen und ein hohes Alter. Seit Mai 2020 lebte Sr. Theresa in unserem Haus Felizitas in Limburg, wo sie auch verstarb.

 

Eine Antiphon aus dem Buch Jesaja „Ich mache dich zum Licht für alle Völker; trage mein Heil bis an die Enden der Erde“ - begleitete Sr. Theresa seit ihrer Jugendzeit. Wir sind dankbar für das Wirken von Sr. Theresa und dürfen gewiss sein, dass sie das Licht für alle Völker nun schaut. Im gesungenen Gotteslob hat sie das Heil Gottes verkündet. Mögen auch wir den kostbaren Schatz, der uns im Stundengebet geschenkt ist, behüten und weitertragen.