
Heimgang von Sr. M. Vianne Kim SAC
Am 8. September gab unsere Sr. Vianne Kim in unserem Haus Felizitas in Limburg ihr Leben zurück in die Hände ihres Schöpfers, dessen Ruf sie sogar in eine neue, fremde Kultur gefolgt war.
Young-Suk kam am 17. April 1944 als zweites von vier Kindern der Eheleute Dong-Kyu Kim und Son-Zä Yu in Yong-Byon in Nordkorea zur Welt. Nach koreanischem Recht gibt es keine Annahme des Namens des Ehepartners, da der Nachname die Zugehörigkeit zur eigenen Herkunftsfamilie und Ahnenlinie darstellt.
Schon früh erfuhr Young-Suk, dass das Leben immer auch schwierige Zeiten bringen kann. Im Winter 1950 flohen die Eltern mit ihrem ältesten Sohn und der sechsjährigen Young-Suk nach Südkorea und lebten dann in Pusan. Dort wurden auch die beiden jüngeren Brüder geboren. Der Vater, der vorher als Landwirt tätig war, fand eine Arbeitsstelle als Fabrikarbeiter.
Ihre Schulzeit beendete Young-Suk im Februar 1963 mit dem bestandenen Abitur. Während der drei Jahre in der Theresia Mädchen-Oberschule in Pusan kam Young-Suk mit dem christlichen Glauben in Verbindung. Mit siebzehn Jahren empfing sie am 23. Mai 1961 das Sakrament der Taufe und nahm den Namen Agnes an. Ein Jahr später wurde sie von Bischof Choi gefirmt, dem ersten Bischof der neu errichteten Diözese Pusan. Einer ihrer Brüder konvertierte auch zum katholischen Glauben, die restliche Familie blieb buddhistisch.
Nach ihrer Schulzeit half Agnes bei caritativen und seelsorglichen Aufgaben in der Pfarrgemeinde und unterstütze ihre Eltern im Haushalt. Im Archiv findet sich ein Brief von Sr. M. Dosithea an das Bischöfliche Ordinariat in Limburg. Durch einen Missionspriester war angefragt worden, ob die Pallottinerinnen bereit seien, Koreanerinnen als Kandidatinnen aufzunehmen. Da die Bereitschaft bestand, erbat die Generaloberin die Erlaubnis der Diözese, in der Klausur einen Bereich für Kandidatinnen aus Südkorea einrichten zu dürfen.
Am 8. Oktober 1964 reiste Agnes mit sechs anderen jungen Frauen nach Limburg und absolvierte ein Haushaltungsjahr. Sehr schnell spürte sie, in die Gemeinschaft der Pallottinerinnen berufen zu sein und so stellte Agnes im Oktober 1965 den Antrag, ins Postulat eintreten zu dürfen, was ihr im gleichen Monat genehmigt wurde. Am 15. August 1966 wurde sie eingekleidet und erhielt den Namen Sr. M. Vianne. Ihre erste Profess legte sie am Festtag unseres Gründers am 22. Januar 1969 ab. Aus Briefen wird deutlich, dass ihre Eltern sie auf ihrem Weg unterstützt haben.
Ab Januar 1968 besuchte Sr. Vianne das Vorsemester für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen in der Marienschule in Limburg. Da es Überlegungen gab, eventuell eine Mission in Südkorea zu errichten, wurde Sr. Vianne im Mai 1969 nach Rochdale in England geschickt, da ein deutsches Examen in Südkorea nicht anerkannt wurde. Zuerst nahm sie an einem englischen Sprachkurs teil, dann bereitete sie sich durch einen einjährigen theologischen Vorkurs auf den Besuch des Katholischen Katechetischen Instituts in Seoul vor, wo sie ab März 1972 eingeschrieben war. Nach der erfolgreichen Abschlussprüfung als Katechetin wurde Sr. Vianne am 11. Dezember 1974 durch Kardinal Su-Hwan Kim die Missio Canonica verliehen.
Anschließend arbeitete sie als Seelsorgehelferin im Krankenhaus der Missionsbenediktinerinnen in Pusan, bis sie im Juli 1975 nach Deutschland zurückkehrte. Es war für Sr. Vianne stets sehr schmerzlich, dass das Vorhaben, eine Niederlassung der Pallottinerinnen in Südkorea zu errichten, nie realisiert werden konnte. Von den sieben Koreanerinnen, die nach Limburg kamen, trat nur Agnes in unsere Kongregation ein. Und auch während ihrer Studien- und Arbeitszeit in Seoul und Pusan konnte Sr. Vianne keine Gefährtinnen aus ihrer Heimat finden. In Briefen bekräftigte sie immer ihre Zugehörigkeit zu unserer Gemeinschaft. Daher kam für sie ein Austritt auch nicht in Frage, als klar wurde, dass es keine Mission in Südkorea geben würde. Und es ist auch zu lesen, dass sie ihre deutschen Mitschwestern vermisste.
Nach ihrer Rückkehr ließ sich leider auch die Idee, dass Sr. Vianne eine Tätigkeit in der Seelsorge für Koreaner in Deutschland finden könne, nicht umsetzen. Sie selbst äußerte daraufhin ihr Interesse an einer Ausbildung zur Masseurin. Nach ihrer Ausbildung an der Kneipp-Gesundheitsschule in Boppard, die sie im Oktober 1982 erfolgreich beendete, absolvierte sie ihr Anerkennungsjahr in Erlenbach. In Limburg schloss sich dann eine Weiterbildung zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin an.
In diesem Beruf arbeitete Sr. Vianne von April 1984 bis Ende 1989 am St. Vinzenz Krankenhaus in Limburg. Sr. Vianne hatte eine große musikalische Begabung und war eine leidenschaftliche Sängerin in der Schola des Provinzhauses. Seit 1974 hatte sie auch Orgelunterricht und spielte mit großer Freude. Von 2007 bis 2014 wirkte sie als Organistin im Provinzhaus. Aufgrund ihrer immer schlechter werdenden Sehkraft musste sie diesen Dienst aufgeben, der ihr so am Herzen lag.
Von 2001 bis 2014 war Sr. Vianne die Leiterin der Buchhandlung in unserem Exerzitien- und Bildungs-haus in Limburg. Sie schätzte den Kontakt mit den Gästen im Haus und freute sich über jeden Besucher im Laden.
Von April 2014 bis April 2021 lebte Sr. Vianne in der Kommunität in München. Als ihre Gesundheit stetig abnahm, behielt Sr. Vianne dennoch stets ihre positive Ausstrahlung. Auch ihren Umzug in unser Haus Felizitas trug sie mit großem Vertrauen. Es war für uns alle sehr schmerzlich, dass Sr. Vianne durch Parkinson immer mehr die Möglichkeit genommen wurde, sich zu äußern. Den Vers "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast" (Joh 17,21) schrieb Sr. Vianne während Exerzitien im Jahr 2021 nieder. Er hatte sie seit ihrem zweiten Noviziatsjahr begleitet und sie kommentierte: "Diese Bibelstelle hat mir bis jetzt Mut, Kraft und Trost gegeben." Ihren letzten Schritt ging sie in der Zuversicht, bald mit Gott vereint zu sein.
Wir sind dankbar für das beeindruckende Lebenszeugnis von Sr. Vianne. Ihr inniger Wunsch, dass doch eine Mission in Südkorea gegründet würde, blieb unerfüllt. Sie wirkte daher in Deutschland als eine Missionarin für Christus. Mögen wir ihrem Beispiel folgend danach streben: Alle sollen eins sein.